Der Kult der Fernsehwerbung

| Florian Moritz

Zugegeben, Werbung kann schon nervig sein. Besonders beim Fernsehen. Da wird ein sowieso schnöder Film oder eine langgezogene Samstagabendshow auch noch von mehreren 15-minütigen Werbeblöcken unterbrochen. Häufig ist der Werbeblock auch noch um einiges lauter, als das eigentliche Programm und spätestens wenn der erste Werbespot zum neuen Action-Kinofilm durch das Wohnzimmer poltert, möchte man die Kiste am liebsten aus dem Fenster werfen. Es ist übrigens wahr, die Werbung ist tatsächlich deutlich lauter - aus einem simplen Grund. Die Werbung soll die Aufmerksamkeit des Nutzers erhöhen. Nur für den Fall, dass Sie beim TV-Programm eingeschlafen sein sollten. Generell war die TV-Werbung damals irgendwie beliebter. So nutzten kreative Gruppierungen die damalige Unterbrechung ganz einfach zum Werbung-Raten inklusive Spielstand. Heute ist man genervt und eigentlich ist in der Werbeunterbrechung nicht nur genug Zeit die Toilette aufzusuchen, sondern auch ausgiebig zu renovieren.

 

"Meister, warum heißen Deutschländer eigentlich Deutschländer?"

 

Wenn wir uns heute Werbung aus den 90ern anschauen, schwelgen wir in Erinnerungen. Von den damaligen Werbeblöcken gibt es ganze YouTube-Playlists die sehr beliebt sind. Spätestens wenn die Fernsehfamilie, vollbepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen, in die Wohnung stolpert, kann jeder mitsingen. Ein Klassiker der TV-Werbung. Neben dem Metzgermeister, der seinem Lehrling erzählt, warum Deutschländer eigentlich Deutschländer heißen, dürfen wir auch den Kroko Doc nicht vergessen, oder "die Bier, die so schön hat geprickelt, in meine Bauchnabel". Ob Karl und Annette ihre Mini-Wini-Würstchen-Kette immer noch lieben oder mittlerweile "Trueman's mit Ketchup und Zwiebeln" essen? Viele unvergessene Spots tummeln sich im Internet und wenn erstmal jemand anfängt anzustimmen, folgt eine Erinnerung auf die nächste. Jedes Unternehmen hat mindestens einen Mitarbeiter, der sich irgendwann einmal mit den Worten: "Feierabend, wie das duftet! Kräftig, deftig, würzig, gut.." in den wohlverdienten Feierabend verabschiedet hat. Jeder kennt es, jeder liebt es.

 

Die Tricks der TV-Sender

 

Doch warum ist das so? Warum schauen wir uns auf YouTube 30 Jahre alte Werbung an, wo wir die aktuelle Werbung doch verfluchen? Ein erster Grund ist natürlich der Nostalgiewert. Wir fühlen uns zurückversetzt in die "gute alte Zeit". Außerdem unterbricht die Werbung, die wir auf YouTube eigenständig aufrufen, keinen spannenden Film. Ein weiterer Faktor ist die Häufigkeit der Werbespots. TV-Sender strecken ihr TV-Programm mittlerweile sogar künstlich. Im Rundfunkstaatsvertrag ist nämlich klar geregelt, dass Filme im Fernsehen mit einer Länge von 30 Minuten lediglich einmal unterbrochen werden dürfen. Ist ein Film also beispielsweise 88 Minuten lang, fehlen lediglich zwei Minuten, um einen weiteren Werbeblock schalten zu dürfen. Damit kann sich nun jeder denken, dass das Wiederholen der letzten 30 Sekunden des Films nach einem Werbeblock nicht als Service der TV-Sender gedacht ist, sondern einfach dazu dient, den Film künstlich zu strecken. Wie dem auch sei - wer sich Werbung aus einer längst vergangen Zeit ansieht, wird wieder ein kleines bisschen zum Kind. Und spätestens dann ist Werbung doch gar nicht mehr so schlimm.

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